Über Patrick Krug

Diagnose: Genickbruch

Bild 099Ich war am 22.07.2006 an einem heißen Sommertag mit Freunden bei einem Teich schwimmen, wir hatten viel Spaß und wollten am Abend noch fortgehen, dazu und zur Beendigung meiner Automechanikerlehre ist es aber leider nicht mehr gekommen ….

ichWir haben uns einen kleinen Hügel aus Sand gebaut, 80cm hoch vielleicht, haben Anlauf genommen und sind ins Wasser gesprungen – bis ich dann beim Anlaufen irgendwie abgerutscht bin. Dadurch bin ich zu früh im Wasser aufgekommen, Knacks und mein Körper war gelähmt. Ich war aber noch bei Bewusstsein, ich konnte mich jedoch nicht mehr bewegen, und auch unter Wasser keine Luft mehr holen. Ich habe dann meine Augen irgendwann einfach zugemacht.

Meine zwei kleinen Brüder, damals 8 und 9 Jahre alt, die auch dabei waren, haben mich, nachdem ich länger unter Wasser war, gesucht, aufgetaucht, mit einem Freund an Land getragen und wiederbelebt. Als ich wieder zu mir kam wurde ich abgetastet, spürte aber gar nichts mehr außer meinen Kopf.

Bild019Der Rettungshubschrauber flog mich dann ins AKH, wo ich 7 Stunden lang notoperiert wurde. Genickbruch, 4ter, 5ter und 6ter Halswirbel waren gebrochen und wurden mit einer Platte und einem Stück vom Beckenknochen gestützt und verschraubt.

Es folgte ein Spitalsaufenthalt wo ich wieder essen und sprechen lernen musste, ständig überwacht wurde, mir der Schleim aus der Lunge abgesaugt wurde oder mein Papa mir immer wieder auf den Brustkorb gedrückt hat, wenn es schnell gehen musste weil ich bereits schlecht Luft bekam.

Danach folgten 9 Monate Rehabilitation, da ich mich überhaupt nicht mehr bewegen konnte. Eine verdammt harte Zeit, in der man anfangs sehr damit zu kämpfen hat die Situation irgendwie zu akzeptieren, begreifen und dann damit umgehen zu lernen.

Vielen Dank hier einmal an die mich behandelnden Ärzte/innen, Pfleger/innen und Therapeut/innen die mich ausgehalten und mir geholfen haben und ganz besonders an meinen Papa und die Familie !!!!

Rehabilitation

Was in der Rehabilitation geschieht und wie Patrick diese erlebt hat.

Nach dem Spitalsaufenthalt wurde ich dann direkt nach Klosterneuburg ins Rehabilitationszentrum Weißer Hof überstellt.

Als ich aus dem Krankenwagen mit der Liege rausgezogen wurde, habe ich die netten Herren die mich liegend zum Rehabilitationszentrum gebracht hatten gefragt, ob Sie mir eine Minute Zeit geben könnten. Also lag ich da, vor dem Weißen Hof und schaute einfach in den blauen Himmel und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen.

Station 2 Flügel B war dann mein Aufenthaltsort, wieder schaute ich nur auf die Decke, da mein Halofixateur erst am Vortag wieder von meinem Kopf abgeschraubt wurde und dies bei vollem Bewusstsein. Die Krankenschwester hielt meinen Kopf und befestigte ihn gleich mit einer Halskrause, die ich noch ein paar Monate immer wieder verwendet habe. Aufgrund der fehlenden Muskulatur im Nacken hatte ich immer Angst, dass mir mein Kopf runter fällt.

Die Pfleger und Pflegerinnen waren im Großen und Ganzen sehr nett, nur ich stellte mich quer, da ich anfangs dachte ich lerne in den Therapien wieder laufen usw… Dem war aber leider nicht so, also musste ich versuchen mich da irgendwie durchzukämpfen.

Dann merkten wir, dass mein linker Fuß viel dicker als der andere war, also wurde ich mit der Rettung ins Klosterneuburger Spital gebracht, wo Thrombose in meinem linken Fuß festgestellt wurde. Ein paar Tage Aufenthalt, wo ich mitbekam, dass zwei Menschen starben. Aufgrund der Thrombose musste ich blutverdünnende Tabletten nehmen, zusätzlich zu den ca. 20 anderen die jeden Tag notwendig waren. Damit das Blut besser in den Körper zurückgepumpt werden konnte, waren Stützstrümpfe notwendig. Die Standard passten nicht, die Angepassten drückten mir derart auf die Fersen, dass ich eine Blase bekam. Also blieb nur eine Möglichkeit; jeden Tag den Fuß von den Pflegekräften mit Verbänden bandagieren zu lassen, was ich noch zuhause weiter machen musste bis die Ärztin nach einem Jahr das Okay gab, die Tabletten und Verbände wegzulassen.

Mein 20. Geburtstag im September: Ich wurde in so einen halben Liegestuhl gelegt/gesetzt und mein Papa schob mich vor in den Aufenthaltsraum. Ich dachte mir bereits, dass einige Freunde und Freundinnen auf mich warten würden.

Ich weiß nicht mehr welche Worte ich auf dem Weg alle verwendete, aber ich wollte einfach nur weg und mein Papa schob mich weiter. Er meinte es nur gut und die Worte tun mir heute leid, die ich in dieser verdammten Situation gesagt habe. Ich hasste mich selbst so sehr und wusste, dass mir die anderen gleich alles Gute zum Geburtstag wünschen würden aber ich ihnen nicht die Hand geben konnte, da ich sie nicht einmal anheben konnte.

Bild 010Happy Birthday Patrick! Ich war so froh als ich wieder ins Zimmer musste, hingelegt wurde, mir meine Bettdecke bis zum Mund hochziehen ließ und einfach so wie einige andere mal die Holzleisten am Plafond des Raumes anstarrte bzw. anfing zu zählen oder nur meinen Tränen freien Lauf lassen konnte.

Dann, an irgendeinem Tag stellte mir ein Pfleger einen Elektrorollstuhl neben mein Bett. Der Sitz war der selbe Recaro-Sportsitz wie in meinem ersten Auto, dem 3er Golf GTI, Fluch oder Zufall ?

Irgendwie lernte ich mit meiner Physiotherapeutin Edith meine Hand soweit selbständig zu heben, dass ich den Hebel des Elektrorollstuhls zum Steuern verwenden konnte. Ich wollte da irgendwie raus, in einen normalen Rollstuhl, da so ein Elektrorollstuhl noch umständlicher bei Auto, Tischen, Türen usw. ist. Also sprach ich mit der Ärztin, der Therapeutin und die wiederum mit den anderen. Nach zwei Unfällen mit dem Elektrorollstuhl habe ich dann das Okay bekommen einen normalen Rollstuhl probieren zu dürfen.

lastpicEr war rot, was absolut nicht meine Farbwahl ist, aber egal. Ich brauchte Zeit einmal irgendwie im Sitzen so gerichtet zu werden, dass ich mein Gleichgewicht halten konnte. Vom Schieben war noch gar keine Rede, denn bei der ersten Fuge oder kleinsten Schwelle am Boden war kein Weiterkommen mehr für mich. Ich begann mit mir selber zu schreien, weil ich einfach nicht wahr haben wollte, dass ich da nicht einmal drüber fahren konnte, obwohl ich 4 Monate davor noch ein paar Mal pro Woche im Fitnesscenter war. Ich trainierte für die Aufnahmeprüfung bei der Berufsfeuerwehr, welche ich unbedingt schaffen wollte. Dieser Beruf war mein Traum, seit ich ein kleines Kind war.

Essenszeit, füttern lassen, ganz toll. Also trainierte ich mit einem Schulter-Arm-Trainingsgerät, welches meine Hand mit Gewichten unterstützte. In meinen Handschuh wurde eine Gabel bzw. Löffel eingespannt und zu meinem Mund gehoben, sodass ich irgendwie selbständiger essen konnte auch wenn es 3 mal so lange dauerte.

Am 22. Dezember 2006 durfte ich dann das erste Mal über´s Wochenende nach Hause.
Nach weiteren Monaten Lernphase, Psychologin, Therapien und anderen Umständen wurde ich dann im Mai entlassen. Anschließend wohnte ich bis September bei meinem Papa und seiner Frau, die mit den Nachbarn und meiner Pflegerin immer für mich da waren und es noch heute sind.

Vielen Dank hier einmal an die mich behandelnden Ärzte/innen, Pfleger/innen und Therapeut/innen die mich ausgehalten und mir geholfen haben und ganz besonders an meinen Papa und die Familie !!!!

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Tägliches Leben im Rollstuhl

 

Ich habe eine eigene Wohnung mit einer 24h Pflegerin, da ich mich leider nicht alleine anziehen, duschen, essen machen und in den Rollstuhl setzen kann. In der Nacht gehöre ich einmal umgelagert, da ich das leider auch nicht selbständig kann. Nach 6 Stunden auf einer Körperhälfte (stabile Seitenlage mit Polster zwischen den Beinen, damit kein Druck entsteht und einem Polster beim Rücken eingespannt, sodass ich auf der Seite liegen bleibe) ist es dann genug Druck und auch unangenehm, also werde ich dann auf die andere Seite umgedreht, nehme meine Tablette und versuche gleich wieder weiter zu schlafen.

Da ich meine Hände nur teilweise bewegen kann, aber Beine, Finger, Handgelenke und Trizeps nicht, bin ich also leider bei sehr vielen Dingen die für Sie selbstverständlich sind auf Hilfe angewiesen.

Jeden Nachmittag entlaste ich ein bisschen meinen Körper, da das besser für meine Haut ist, weil die nicht mehr so funktioniert wie vor dem Unfall. Durch Druck oder auch schon von einer kleinen Falte kann aus einem kleinen roten Fleck ein Dekubitus werden, wenn man weiterhin zu lange darauf sitzt. Das würde dann solange Bettruhe bedeuten, bis die Haut wieder in Ordnung ist und diese Regeneration dauert aufgrund des Querschnitts leider länger.

Mittlerweile sind einige Jahre vergangen, ich kann meinen teilweise unterstützten Rollstuhl schieben und versuche viel unterwegs zu sein, jedoch muss ich immer auf Familie oder Freunde warten um wohin fahren zu können .

Es denken auch viele Menschen, dass das mit den Pflegerinnen so einfach ist, doch das ist es gar nicht.

Das Ganze funktioniert so: Man muß entweder über eine Agentur oder privat eine Pflegerin finden.

Dann heißt es „guten Morgen“ und die Pflegerin, die gerade da ist kommt mit der neuen, die sie zwei Tage lang einschult, ins Zimmer. Diese schaut gleich mal beim Durchbewegen, Duschen, Katheter-Sackerl ausleeren usw. zu. Das ist natürlich sehr unangenehm, da man die neue Person ja noch gar nicht kennt. Da waren leider auch bereits ein paar dabei, die mir absolut vom ersten Eindruck schon mal nicht sympatisch waren.

Die neue Pflegerin bekommt dann zwei Tage lang alles Mögliche gezeigt, da die absolut keine Ahnung hat, wie man den Patienten lagert, in den Rollstuhl setzt, den Bauchkatether verbindet usw. Also nicht wie man oder auch ich selbst geglaubt habe, dass die ein Grundwissen mitbringen und dann nur noch Kleinigkeiten beigebracht werden müssen. Das größte Problem ist aber die Verständigung. Wenn man Glück hat spricht bzw. versteht diejenige halbwegs deutsch.

Mein einziges Werkzeug, meine Bedürfnisse auszudrücken ist nun einmal die Sprache. Die Agenturen sind meist sehr verwundert, da ja beim Einstellungsgespräch angeblich deutsch gesprochen wurde?! Hier bekommt man leider den Eindruck, dass es oft nur um die Vermittlungsgebühr und den Jahresbeitrag geht. Nicht nur, dass ich auf diese Hilfe angewiesen bin, muss ich dann auch noch zusätzlich den ganzen Papierkram für die Betreuerin erledigen. Leider ist die Suche nach geeignetem Pflegepersonal wirklich sehr schwer.

Patrick 541Das Leben im Rollstuhl ist wirklich kein einfaches, da es ständig zu Barrieren kommt, deshalb versuche ich aktiv Lösungen zu finden, die mir mein Leben trotz dieser schweren Behinderung vereinfachen.

Ich versuche soweit es geht alles selbständig und ungebunden zu bewältigen und weiterhin alles zu tun was mir gerade in den Sinn kommt, Spaß macht oder unter den Umständen der Querschnittslähmung überhaupt möglich ist…

Lieber sitzend sterben als kniend zu leben !!!!

Das Leben geht weiter

Ich möchte mein Leben weiterhin so meistern wie jetzt, mit dem Unterschied durch meinen Traum von einem umgebauten Auto spontaner und unabhängiger zu sein .

Ich möchte auch anderen Menschen, die das gleiche Schicksal wie ich haben, weiterhin zeigen was man trotz unserem Handicap – auch wenn es schwer fällt  und umständlicher ist – alles machen kann, damit, dieses Leben lebenswert ist.

Ich möchte auch noch ein Buch schreiben und eine Selbsthilfegruppe für Querschnittsgelähmte gründen.

Sonst wünsche ich mir für die Zukunft Gesundheit und Glück für ALLE !!!!

Was man einen Rollstuhlfahrer immer schon mal fragen wollte

Hier finden Sie in Kürze zehn sehr persönliche Fragen an Patrick Krug und die sehr emotionalen Antworten aus seinem Leben…